Demonstrationen gegen Homophobie und Kreuze in Schulen

Im Juni fanden in Wien gleich zwei öffentliche Auftritte christlicher FundamentalistInnen statt. Gegen beide wurden von gottlos.at, sowie einer Reihe weiterer Organisationen und engagierter Einzelpersonen, Gegendemos organisiert. Die Kampagne kann insgesamt als Erfolg betrachtet werden und hat gezeigt, dass kurzfristige Mobilisierungen gegen religiöse ExtremistInnen möglich sind und Wirkung zeigen.

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Zuerst war es am 15. Juni eine neu ins Leben gerufene „Plattform Familie“ die anlässlich der Regenbogenparade ihre Sorge um das Wohl des christlichen Abendlandes im Allgemeinen und der traditionellen Familie im Besonderen zum Ausdruck brachte. Nur zwei Wochen später, am 28. Juni, war dann der selbsternannte Pastor Peitl an der Reihe. Sein Anliegen war der Erhalt der Kreuze in Schulen.

Die „Plattform Familie“ ist nicht mehr als eine Webseite, die den alten Wein in neuen Schläuchen serviert. Hinter der Seite stehen bekannte Akteure christlich-fundamentalistischer Gruppen. Die Seite selbst wird von Pro Vita betrieben, einer Organisation die sich gegen das Recht auf Schwangerschaftsabbruch stark macht. Ihr öffentlich aktivster Vertreter ist der Rechtsanwalt Alfons Adam, der auch am 15. Juni mit einer Schar von etwa 150 AnhängerInnen am Stephansplatz anzutreffen war. Adam, der Mitglied der Kleinpartei „Die Christen“ war, ist Bundesobmann von Pro Vita und kann als Initiator der Demonstration am 15. Juni angesehen werden. Die Demo selbst wurde von einem massiven Polizeiaufgebot sowie von bis zu 300 GegendemonstrantInnen begleitet. Die christliche Demo forderte unter anderem die Abschaffung der Eingetragenen Partnerschaft für Homosexuelle, die Abschaffung des Sexualkundeunterrichts und die Abschaffung von Kinderkrippen. Die Ehe sei ausschließlich eine „Verbindung von Mann und Frau“.

Die Gegendemo, die der Route der ChristInnen vom Stephansplatz über den Graben zum Ballhausplatz folgte, war laut, bunt und gut wahrnehmbar. Zentrale Forderungen waren ein entschiedenes Eintreten gegen Homophobie, Frauenfeindlichkeit und religiösen Fundamentalismus. Zu nennenswerten Auseinandersetzungen kam es nicht. Die Polizei nahm lediglich von einigen Personen, die sich nach Polizeiangaben unter die FundamentalistInnen gemischt hatten, die Personalien auf. Die christliche Demonstration blieb über die gesamte Zeit hindurch durch Polizei und Gegendemonstration isoliert. Auch die Mobilisierungsfähigkeit der VeranstalterInnen blieb unter den Erwartungen. Leider steht hinter den VeranstalterInnen dennoch ein nennenswertes politisches Netzwerk: Wie sich erst im Herbst 2012 bei einem Kongress gegen Schwangerschaftsabbruch gezeigt hat, bestehen enge Kontakte der „Lebensschützer“ (wie sich militante AbtreibungsgegnerInnen gerne selbst nennen) zur katholischen Kirche und über den CV zur ÖVP. Einschlägige Internetangebote wie gloria.tv und kreuz-net.at (ehemals kreuz.net) beteiligen sich durch wohlwollende Berichterstattung und Werbung im Vorfeld. Personen aus dem Umfeld der frauenfeindlichen „Väterrechtsbewegung“ sind ebenso involviert.

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„I’m with stupid“: Die Demo der FundamentalistInnen zieht vorbei (Fotos: Screaming Birds)

Die Demonstration von „Pastor“ Peitl, der lt. Angaben der evangelischen Kirche in Österreich keinerlei offizielle Ämter bekleidet und seit 2007 nicht mehr Mitglied der evangelischen Kirche ist, wurde primär über social media beworben. Auf Facebook hatten sich etwa 70 Personen für die Veranstaltung unter dem Titel „Das Kreuz muss bleiben“ angemeldet – unter ihnen zahlreiche Neonazis. Nicht zuletzt deswegen wurde es von den InitiatorInnen der Demo am 15. Juni für notwendig befunden, auch gegen diesen Auftritt eine Gegenkundgebung abzuhalten.

Schlussendlich waren am 28. neben Peitl selbst gerade einmal drei weitere Personen am Minoritenplatz erschienen (s. Foto). Auf den Minoritenplatz musste man ausweichen, weil der ursprüngliche Startpunkt am Stephansplatz von der Bundespolizeidirektion zu Gunsten der Gegendemo untersagt worden war. In der Bezirkszeitung der Inneren Stadt war dann auch zu lesen, dass „radikale Atheisten“ die ChristInnen vom Stephansplatz verdrängt hätten – ein weiterer Erfolg.

Eine geringe Zahl von GegendemonstrantInnen begleitete am 28. Juni die bizarre Vorstellung. Die Predigt von „Pastor“ Peitl war nach wenigen Minuten vorüber. Während der Demonstration kam es zu einem tätlichen Angriff eines Passanten auf einen Teilnehmer der Kundgebung. Ein politischer Hintergrund ist anzunehmen. Peitl ist als politischer Akteur nicht ernst zu nehmen. Trotzdem ist es wichtig auf mögliche rechtsextreme und fundamentalistische Versammlungen zu reagieren. Die kleine Gegendemo konnte, wie schon zwei Wochen zuvor die große, diese Nachricht übermitteln und Präsenz zeigen.

GegendemonstrantInnen treffen am Stephansplatz ein

GegendemonstrantInnen treffen am Stephansplatz ein

Pastor Peitl

Diese vier Personen waren (mutmaßlich) für Kreuze in Schulen.

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